kommunikation-coronaDas öffentliche Leben liegt lahm, die Pandemie hat die Welt fest im Griff, rien ne va plus. Wirklich nichts mehr? Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen und Agenturen bangen um ihre Existenz. Wie können sie die nächsten Monate überleben?

W&V griff am 27. März die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Agenturen und Fakten aus dem Report „Covid-19 and the Agency industry“ auf. Danach befürchten über „40 Prozent der Agenturen beträchtliche negative Auswirkungen [der Krise] und 14 Prozent der Projekte könnten gar storniert werden.“ Auch bei blattertPR steht seit Mitte März das Agenturleben Kopf. Homeoffice sowie eingefrorene oder gekürzte Budgets fordern ein Umdenken.

1. Auf virtuelle Konferenzen und Events setzen

Geplante Blogger Events, Messen oder Pressekonferenzen werden gecancelt, persönliche Interviews und Meetings abgesagt. Aber geht das nicht alles auch online? Spätestens jetzt wird es höchste Zeit, sich auch mit digitalen Lösungen auseinander zu setzen. Skypen oder Zoomen statt sich in überfüllten Meeting-Räumen zu treffen, Produkte an einem virtuellen statt realen Stand präsentieren. Rebecca Loeks hat in einem Xing-Blogpost Vorteile von virtuellen Events dargestellt. Sie sind zum Beispiel zeit- und kosteneffizienter, da Anreise, Hotel und Location wegfallen. Sie erzielen mehr Reichweite, weil Journalisten oder Influencer von überall aus teilnehmen können. Das zumindest ist nach unserer Erfahrung immer das größte Hindernis, da viele Redaktionen chronisch unterbesetzt, Mamablogger zuhause mit den Kindern sehr eingespannt sind usw. Dazu findet ein Austausch in Echtzeit über Chats oder Foren statt. Videos können heruntergeladen, über Social Media geteilt und später wieder angesehen werden. Anbieter für digitale Events sind beispielsweise meetyoo.com oder cvent.com. Natürlich kann es nie 100 Prozent den persönlichen Austausch ersetzen, aber als ergänzende Maßnahme kann ich es mir sehr gut vorstellen. Digitale Pressemappen stellen wir von blattertPR schon seit Jahren zur Verfügung und sind von der gedruckten Version schon lange abgekommen. So sparen wir Papier und die Journalisten müssen sich nicht unnötig abschleppen. Welche Erfahrungen machen hier die Branchenkollegen? Über einen Austausch würde ich mich freuen!

2. Technische Herausforderungen beim Homeoffice meistern

Laut des „Covid-19 and Agency Industry“-Reports fürchten viele Agenturinhaber um die Arbeitsmoral der Mitarbeiter und um Einbußen der Kommunikation der Mitarbeiter untereinander, wenn Homeoffice umgesetzt wird. Wir arbeiten mit freien sowie festangestellten Mitarbeitern. Schon vor der Krise haben wir Homeoffice-Tage fest in unser Agenturmodell integriert. Das funktioniert hervorragend. Wir arbeiten mit dem Zeiterfassungstool Goodtimetracking. Dabei sehen wir, wie viele Stunden in welche Projekte und Dienstleistungen für welchen Kunden geflossen sind. Montagsmeetings finden jetzt via Skype oder Telefonkonferenz statt. Seit rund zwei Jahren arbeiten wir nicht mehr mit Google Drive, sondern mit einem eigenen NAS (Network Attached Storage), der auch vom Homeoffice aus funktioniert. Das heißt, hier hatten wir zumindest weniger Probleme, es sei denn die Synchronisierung funktioniert einmal nicht. 

3. Content anpassen

Natürlich müssen wir diesen verrückten Zeiten auch die Content-Pläne hinsichtlich der Krise anpassen. Hatte man zuvor ein paar kuriose, unterhaltsame Posts oder Produktvorstellungen im Redaktionsplan stehen, weichen diese nun zugunsten von Corona #WirBleibenZuhause. Dazu haben wir einige Social Media- und Influencer-Kampagnen für unsere Kunden konzipiert und implementiert. Nach Schul- und Kitaschließungen geht’s um Beschäftigungsmöglichkeiten für die Kids Zuhause. Klassische Anzeigen und Advertorials werden ins zweite Halbjahr verschoben.  

4. Krisenkommunikation

Unternehmen müssen sich nun auch mit Krisenkommunikation beschäftigen, intern sowie extern. Wie sollen Geschäftsführer Mitarbeiter, wie Händler beispielsweise über mögliche Lieferengpässe und negative Geschäftsentwicklungen informieren? Unternehmen stehen unter hohem Druck, mit Unsicherheiten zu planen und sich möglicherweise auch kritischen Fragen zu stellen. Hier geht’s zu einem interessanten Beitrag des PR-Journal und sieben hilfreichen Tipps zum Thema Unternehmenskommunikation in Corona-Zeiten von Krisen-Kommunikatoren bei Edelman.

Sprechen uns Kunden an, bieten wir ihnen natürlich auch hier Beratung, wie sie in der Krise mit Stakeholdern umgehen sollten.

5. Einen kühlen Kopf bewahren

Ansonsten hoffen wir, dass bald wieder Normalität einkehrt und das Agenturgeschäft weiterläuft wie bisher. Corona hat uns alle überrollt, aber es ist nicht das Ende. Und es bieten sich auch neue Chancen und alternative Lösungen, wie oben beschrieben. Ich drücke uns jedenfalls allen die Daumen für ein bombastisches zweites Halbjahr! Solange lasst uns einen kühlen Kopf bewahren, die Zeit zum Nachdenken, Strategienfinden und für  Konzeptanpassungen nutzen. Aber vor allem auch dazu, das Leben mit den Menschen zu genießen, die wir lieben. Der Alltag hat uns sicher schneller wieder als gedacht.