Nina vergleicht: PR-Theorie vs. PR-Praxis

NinaGroß„Public relations is the management of communication between an organization and its publics”, lautet die wohl bekannteste wissenschaftliche Definition zu PR. Sie stammt von Grunig und Hunt aus dem Jahr 1984 und stand bisher am Anfang jeder PR-Veranstaltung, die ich in meinem Studium besucht habe. Die Definition ist sehr allgemein gehalten und sagt wenig über den eigentlichen PR-Alltag aus. Letzteren konnte ich schließlich in den letzten Monaten bei blattertPR intensiv und mit all seinen Facetten kennenlernen.

Dabei konnte ich drei Dinge feststellen:

  1. Einige Theorien und Handlungsabläufe, die in der Uni vermittelt werden, treffen tatsächlich in der Praxis zu und werden auch im Arbeitsalltag umgesetzt.
  2. Wissenschaftliche Ansätze spielen im PR-Alltag oft keine große Rolle.
  3. Es gibt einige Dinge, die man in der PR-Praxis unbedingt wissen und können sollte, zu denen man in der Uni jedoch wenig lernt.

Intereffikationsmodell in der Praxis

Das wissenschaftliche „Intereffikationsmodell“, das in jeder PR-Vorlesung mindestens einmal besprochen wird, beschreibt die Beziehung zwischen PRlern und Journalisten und geht genau auf diesen Punkt ein: Es besagt, dass sich Journalisten und PRler  aneinander anpassen – sowohl auf zeitlicher Ebene als auch hinsichtlich der veröffentlichten Themen und im organisatorischen Bereich. Konkret heißt das zum Beispiel, dass wir als PRler wissen, wann sich die Journalisten in Redaktionskonferenzen besprechen und sie zu dieser Zeit nicht anrufen. Das ist ein Theoriepunkt, der sich für mich auch in der Praxis als sehr wichtig und wahr herausgestellt hat.

Journalistenkontakte als Erfolgsschlüssel

Im letzten Semester beispielsweise habe ich ein ganzes Seminar zum Thema Media Relations besucht. Was wir dort behandelt haben, waren unter anderem Studien zur Zusammensetzung der Berufsgruppe der Journalisten hinsichtlich Alter, Geschlecht, politischer Einstellung, Selbstwahrnehmung o.ä. – Informationen, die zwar interessant und nützlich sein können, die einem in der täglichen Arbeit jedoch wenig bringen. Im Seminar wurde zwar auch angesprochen, dass der persönliche Kontakt und die Beziehung zu Journalisten wichtig sind. Wie wichtig die regelmäßige Kontaktpflege für erfolgreiche Pressearbeit tatsächlich ist und was alles davon abhängt, habe ich jedoch erst hier bei blattertPR erfahren.

Für das Verständnis, wie Journalisten ticken und arbeiten, hat mir mein Praktikum in einer Zeitschriftenredaktion viel mehr geholfen als die theoretischen Einblicke im Studium. Das Wissen, wie Redaktionskonferenzen ablaufen, wie Journalisten auf Themen aufmerksam werden und in welchem Rhythmus sie allgemein arbeiten, ist von großem Vorteil, wenn man auf der PR-Seite sitzt und Themen in die Medien bringen will. Das habe ich in den letzten Monaten immer wieder gemerkt.

SEO-Optimierung statt Medienwirkung

Zum dritten und letzten Punkt gehört zum Beispiel das Feld der Onlinekommunikation. Während an der Uni der Fokus auf diesem Gebiet insbesondere auf der Medienwirkung und dem Umgang der Menschen mit sozialen Medien liegt, sind im PR-Alltag vielmehr SEO-technische Fähigkeiten und das Texten von Posts gefragt. Zum Glück haben wir bei blattertPR immer wieder interne kleine Workshops, bei denen auch ich als „Digital Native“ noch viel über Social Media, SEO-Optimierung und den idealen Post lernen kann ;-).

Trotzdem muss ich sagen, dass mein Masterstudiengang der Unternehmenskommunikation an der Uni Mainz sehr praxisnah angelegt ist. Viele Seminare werden sogar von PR-Praktikern gehalten, sodass man schon einen guten Eindruck vom Arbeitsleben bekommt, das einen erwartet. Das Diskutieren verschiedener Theorien aus dem Bereich der Öffentlichkeitsarbeit gehört zum Studium dazu. Vor allem in den theoretischen Veranstaltungen fällt mir oft auf, dass praxisrelevante Inhalte nur kurz angesprochen, wissenschaftliche Herangehensweisen hingegen lang und breit durchgenommen werden.

Mein Fazit? Praxis rules!

Ich bin schon gespannt, welche Einblicke mich im neuen Semester in Seminaren wie Krisenkommunikation und Interne Kommunikation erwarten, und welche Schlüsse ich daraus für den Praxisalltag ziehen werde. Durch die praktische Ausrichtung meines Masterstudiengangs habe ich mich zwar ein Stück weit für den Berufseinstieg gewappnet, mir ist aber in den vergangenen Monaten bei blattertPR vor allem eines klar geworden: Es gibt keine bessere Vorbereitung auf den Praxiseinstieg als die Praxis selbst :-)!

Von | 2018-10-12T09:41:41+00:00 12. Oktober 2018|Blog|0 Kommentare